Trauerbegleitung in Hatay nach dem Erdbeben

Nach der Erdbebenkatastrophe im Februar 2023 waren in Hatay sehr viele Menschen durch schwere Verluste in Trauer, viele waren auch traumatisiert. In der Deutsch-Türkischen Gesellschaft Kiel und Umgebung sowie im Kieler Arbeitskreis Brückenbauen planten wir gemeinsam, in dieser Not eine Begleitung zu ermöglichen, dabei arbeiteten wir mit der Stiftung „Hilfe ohne Grenzen“ zusammen.

Die sehr einfühlsame und engagierte Psychologin Buse Koca Özdemir übernahm diese Begleitung und oft auch Therapie an vier Tagen in der Woche. Sie erreichte viele Kinder und Jugendliche, dann viele Frauen, zunehmend auch Männer (insgesamt über 300 Personen im Monat). Viele fanden wieder Balance und Kraft, ihr eigenes Leben zu gestalten.

Ein Flyer für Orientierung und Rückhalt in der Trauer wurde erstellt, der überall in Hatay verteilt wurde. Von August 23 bis Dezember 24 wurde diese Arbeit von der LHS Kiel, der DTG, dem Thor-Heyerdahl-Gymnasium Kiel und zahlreichen Spendern unterstützt, danach wurde sie mit Unterstützung von BINGO bis Ende Juni 25 an zwei Tagen in der Woche weitergeführt. Nach und nach zogen die Bewohner des Containerdorfes in feste Wohnungen. In dieser Begleitung hatten viele von ihnen gelernt, wieder neuen Mut zu finden, ihr eigenes Leben zu gestalten.

Als sehr wirksam haben sich die Methoden erwiesen, mit denen Buse Koca Özdemir arbeitete: Am Anfang standen Übungen, durch ruhiges Atmen und Meditation die eigene Balance zu finden. Gemeinschaft entstand im Mitteilen der unterschiedlichen Gefühle. Dann wurden auch immer mehr Bewegungen möglich, im Spielen, im Singen und im Tanzen. Es kam dann oft zu Ausgelassenheit und Freude.

Von diesem Ansatz können wir auch hier in Kiel lernen: Solche Wege -im Video dargestellt- haben z.B. in der Freundschaftsschule Thor-Heyerdahl-Gymnasium Kiel große Resonanz gefunden. Wichtig ist jetzt, dass diese Anregungen in Hatay weitergehen. Im Jahr 2026 soll in Antakya das neue Reha-Zentrum mit Unterstützung der Partnerstädte Kiel und Aalen gebaut werden. Wir hoffen, dass Methoden der Begleitung und Therapie, die sich in der Arbeit der Psychologin Buse Koca Özdemir so gut bewährt haben, dort aufgenommen und weiterentwickelt werden.

Hier ist der Link zum Video aus Kirikhan /Hatay, das die ermutigenden Bewegungen in der Trauerbegleitung zeigt: https://youtu.be/2kjrL-fQq8Y?si=FRXIQELCc9nY7ddM

Inzwischen wird in allen Teilen Antakyas neu gebaut. Ermutigt hat die Nachricht, dass die zerstörten Moscheen und Kirchen gleichzeitig wiederhergestellt werden sollen. Das ist ein Zeichen dafür, dass die interreligiöse Verständigung, für die Antakya bekannt und berühmt ist, auch nach dem Erdbeben weitergeführt wird.